Es sieht ja normalerweise schon komisch aus, wenn ich beim Ausleeren meines Wildwasserkajaks neben dem Boot stehe. Aber neben einem 489 cm langen grünen Riesenboot (mag sein, dass ich übertreibe) wirke ich lächerlich klein. Wie ein Zwerg. Ein kleinwüchsiger. Ich habe mich also zum 100. jährigen Jubiläum des DKV zum ersten mal in ein so langes Boot gesetzt und siehe da: Das fährt ja!

Aber erst mal musste natürlich das Basislager aufgebaut werden. Das Zelt stand in wenigen Minuten und einen Ast für unser Tarp fanden wir auch schnell. Dann mussten wir es nur noch aufstellen. Ich sage nur eins: Es dauerte lange, aber es hielt dem folgenden Wind gnadenlos stand! Mit dem Kasten Bier fühlten wir uns dann auch heimisch und konnten nach dem Abendessen früh ins Bett.

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Nach der ersten verregneten Nacht folgt ein super sonniger und vor allem bemerkenswert warmer Samstag, den wir nutzen um unsere Vorräte aufzustocken bevor der Osterhase alle Läden schließt und wir zu der geplanten mehrtägigen Tour aufbrechen. Spoiler: Die viel sprichwörtlich ins Wasser, weil ich ja überhaupt nicht gewöhnt war, Strecken über 15 km Länge auf stehendem Gewässer zu fahren und Max es deshalb für sinnvoll hielt, mir das nicht an zu tun. Voller Tatendrang sind wir also mit den Booten auf den Bootswägen an die Dove Elbe ran geschoben. Der Edeka war ja zu unserem autolosen Glück mit dem Kajak zu erreichen. Wunderbar auf den Anleger, Boot vom Wagen – Platsch! Ich drehe mich um. Max schwimmt neben dem Steg. Das Boot trocken und sicher auf dem Anleger. „Der Steg war einfach zu Ende.“ Wortwörtlich ins Wasser gefallen, ich wäre fast geplatzt vor lachen.

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Einen weiteren Versuch die Wassertiefe zu prüfen haben wir allerdings nicht unternommen. Dafür gab es immer wieder lustige Momente, wenn ich versucht habe, aus dem Boot zu steigen. Einige meiner akrobatischen Unternehmungen nennen sich „die Seekuh“, „der Walfisch“ und „die ungewollte Grätsche“. Aussteigen ist mir immer noch ein Rätsel.

Was natürlich wieder auffiel, war das wir den Altersdurchschnitt erheblich senkten. Neben Omis und Opis waren nur äußerst wenige Kanuten unter 40 Jahren anwesend, geschweige denn Jugendliche, die aus freien Stücken gekommen sind. Doch trotz des hohen Alters wurde munter gepaddelt, der Shuttleservice lief bestens und das Wetter spielte mit. Zwei Touren von unseren fünf waren vom Hamburger Kanu Verband organisiert worden und beide liefen reibungslos. Das schönste Wetter allerdings hatten wir, wenn wir vom Campingplatz aus zu zweit gepaddelt sind. Sonnenbrand vorprogrammiert!

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Dass die lange Anfahrt nach Hamburg sich gelohnt hatte, wurde mir spätestens klar, als ich abends auf den Pritschen an der Regattastrecke saß. Das Wasser spiegelglatt, der Himmel zuckerwatterosa und die Luft klar. Die pure Idylle. Klar, dass auch zu hause jetzt weiterhin Wanderfahren ansteht. Da wird sich bestimmt ein langes Boot finden, neben dem ich hoffentlich nicht ganz so winzig aussehe.

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