Wie Einige schon mitbekommen haben ist die Prüfung zum Schluss nicht positiv ausgefallen, dazu aber gegen Ende mehr.

Zum drölften Mal die Imster Schlucht

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Wenn man für eine Woche im Ötztal ist um seinen Guideschein zu machen, dann fährt man ganz schön oft die Imster Schlucht. In sechs Tagen bin ich alleine elf Mal die Strecke von 14 Km (bzw. die Einheimischen sagen, dass es 17 Km seien) geraftet. Wenn dabei noch Kehrwassertraining stattfindet, dann kennt man wirklich jeden Stein mit Namen. Um einmal ein paar Steine aufzuzählen: Neptun, Seppstein, Asterix, Nashornstein, Obelix, Haifisch, Raftkiller… Gleiches Spiel mit Kiesbänken (Miami Beach) und Kehrwässern (Schwarzfahrerausstieg).

Zum Schluss klappte auch das Flippen auf der Verschneidungslinie wie es in der Prüfung gefordert wurde. Am Montag Abend – zwei Tage vor dem entscheidenden Tag – erfuhren wir dann, dass wir uns auf Rafts der Firma NRS beweisen sollen. Somit war der Plan, dass wir am Dienstag einen kompletten Ruhetag einlegen gestorben.

Dicke Leute – Dicke Rafts

Am Vormittag hat Jo von Fankhauser Rafting uns noch ein solches Dickschiff besorgt, damit wir nochmal sehen können wie sich ein Raft mit Tankerausmaßen so verhält. Das was am meisten auffällt ist, dass es richtig gegen die Wellen rummst und nicht wie die Spreu Boote die Wellen mit geht. Gerade so mittelhohe Schwallstrecken knallen jedes mal richtig durch das Boot.

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Für Mich war am interessantesten, dass die Längswülste (Also die Bordwand) wesentlich höher sind und man – ICH – da schwerer rein kommt.

Zum Schluss hat es jedoch mit viel Gewalt geklappt. Auf dem Nachmittag sind wir dann in die Therme nach Längsfeld gefahren. Ich glaube ich habe noch keine Badeanstalt mit so genialem Ausblick besucht. Sobald ich die Bilder habe werde ich diese auch einstellen. Stichwort: Dekadente Scheiße!

Der Tag der Wahrheit

Der spannende Teil begann dann am Mittwoch. Um 8:45 sollten wir auf der anderen Inn-Seite bei Faszinatour sein um die Prüfung anzutreten.  Es idn insgesamt 33 Personen da die alle im Land Tirol das Bootsführerpatent erwerben wollen. Darunter sind nur zwei Frauen. Zu Beginn werden wir in Boote eingeteilt in deren Reihenfolge Theorie und Praxis absolviert werden sollen. Der Großteil der Fankhauser-Anwärter sind auf Boot drei. Wir haben also noch Zeit unsere Klamotten zusammen zu stellen und uns kirre zu machen, bevor es richtig los geht. Als wir dann wieder zu Faszi gingen wurden uns schon die ersten Theorie-Fragen zugeraunt die die Anwärter des ersten Boots ins Schleudern gebracht haben.

Theorie

Für die Theorie waren drei Prüfer da. Ein Staatsbeamter für die rechtlichen Fragen und zwei für Bootskunde, Strömungsgedöns und Knoten. Alles fand mündlich statt, bei den Rechtsfragen waren wir immer zu zweit und wurden abwechselnd befragt. Zu Beginn kam erstmal mein Prüfer ins Schleudern. Mein Mitprüfling war Dipl. Ing und wurde auch prompt so angeredet, ich bin Bachelor of Arts und somit… ähhh… Künstler? Bologna ist wohl noch nicht in Innsbrucker Amtsstuben angekommen. Wir einigten uns darauf, dass wir dann doch mit Namen und nicht mit Titel angeredet werden (auch wenn der sehr nette Herr glaube ich gerne bei den akademischen Graden geblieben wäre).

Die einzige Frage die mich dann ein wenig unsicher werden ließ war, als ich sagen sollte was denn der Kern des Tiroler Naturschutzgesetzes sei. Schön blöd wenn man nur den Lehrplan lernt. Aber ein Straucheln macht noch keinen Sturz und der erste Teil der Theorie ging gut aus.

Ein wenig knackiger waren anscheinend die anderen beiden Prüfer. Zumindest ist bei denen schon jemand durch gefallen. Gleich zu Anfang ließ ich mich da verunsichern. Haben wir beim Rechtsprüfer noch erst ein wenig Smalltalk betrieben, ging es da gleich zur Sache. So habe ich geantwortet dass ich seit einem Jahr rafte, nachdem ich zur Geschichte des Raftens befragt wurde. Das sorgte erst mal für Gelächter. Das wurde wahrscheinlich unter Künstlergehabe verbucht, denn auch die Beiden haben den Bachelor of Arts für ein Kunststudium gehalten. Im Endeffekt war das aber auch kein Hindernis, nur fande ich es dann schon interessant, dass auch Fragen über den Lehrplan hinaus gestellt wurden. Ich wurde bei den Knoten auch nach einem Sackstich gefragt, auch wenn der nicht vorkommt. Aber wer kann den denn nicht ;).

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Anschließend wurde sich aufgerödelt und es ging auf den Bach. Abwechselnd fuhren wir Abschnitte auf der Imster Schlucht. Jeder sollte so. 3-4 Kehrwässer anfahren und 1-2 Traversen/Seilfähren fahren. Gleich der erste Prüfling ist sehr souverän unterwegs gewesen. Der Zweite war dagegen ein nervliches Wrack und zu seinem Unglück auch so gefahren. Der Arme war so fertig, dass er nach seinem Abschnitt zum Abkühlen kurz in den Inn gehüpft ist.

Ich selber war dann ab der Ötzmündung am Steuer. Die erste Aufgabe war: Das Boot in der Stromschnelle auf Kurs zu halten und dann am Ende ins rechte Kehrwasser zu fahren. Dies klappte auch soweit, auch wenn das Kehrwasser recht tief angefahren wurde. Die anschließende Traverse war dafür umso besser.

Das darauf folgende Kehrwasser war dann wieder besser. Da ich dachte dass der Prüfer eins weiter rein wollte hätte ich die Ausfahrt verpasst. Da ich jedoch bewiesen habe, dass ich sehr schnell umschalten konnte und dann doch das von ihm gewünscht Kehrwasser sehr kurzfristig anfahren konnte war er sehr positiv gestimmt. Nach einem weiteren guten Kehrwasser war dann auch schon der Nächste dran.

Scheitern

jetzt ging es nur noch darum im Kehrwasser zu flippen. Wobei es genau genommen auf der Verschneidungszone statt findet, dass macht das anschwimmen jedes mal anstrengender. Ich war gleich als Zweiter dran. Ich habe das Paddel ins Boot geworfen und das stramm aufgepumpte NRS-Raft katapultierte selbiges gleich wieder hinaus ins Wasser… Ich hinterher und wieder zurück zum Raft. Kraft? Alle! Ich schaffte es nicht aufs Raft. Die Prüfer gaben mir jedoch eine zweite Chance. Nachdem ich eine kurze Pause hatte setzte ich wieder an und kam erneut nicht hinauf. War die Kraft alle? War die Technik schlecht wie es welche der Umstehenden sagten? Oder war es im Endeffekt Kopfsache? Immerhin hat es einen Tag vorher geklappt!

Egal, durchgefallen.

Und nun?Fuzx_3Z3oONE18wZweKlrcg9sJEQ8nC0KFw0lp8ZW9Y

Jetzt sind jeweils im Abstand von zwei Wochen weitere Prüfungen. Am 3. Juli werde ich mich wieder dem Tiroler Raftingverband stellen. Bis dahin wird kräfitg an meiner Masterarbeit gewerkelt (Was die wohl sagen würden, wenn der Herr Künstler jetzt auch noch M.Ed. ist?) und in der Muckibude kräftig der Aufschwung trainiert.

Teil 1

Teil 2