Der erfolgreichste Post hier – gemessen an der Facebookbeteiligung – war eben jener, der sich mit der Sicherheit auf Kleinflüssen auseinander gesetzt hat. Diese ganzen Ideen haben sich ja durch die Beschaffenheit der Böhme schnell entschärft. Die Fragen bleiben aber auch bei der weiteren Winterpaddelei von Interesse.

Foto von Paleontour unter CC BY 2.0 Lizenz entnommen unter http://goo.gl/GWdIhM

Foto von Paleontour unter CC BY 2.0 Lizenz entnommen unter http://goo.gl/GWdIhM

Dabei sind gerade die vermeintlich „gefährlicheren“ Sparten der Paddelei aus meiner Sicht weniger davon betroffen. So sind doch die meisten Wildwasserfahrer und Seekajaker die sich vornehmen auf die Friesischen Inseln überzusetzen, sich der Gefahr der Unterkühlung bewusst und ziehen sich eh gemäß des englischen Sprichwortes: „Dress for water, not for air!“ an.

„Dress for water, not for air!“

Aber gerade wenn Herr oder Frau Paddler – auch wenn sie bei ihrer Ötztour Trocki tragen – im Indian Summer in MeckPomm unterwegs sind, dann bezweifle ich, dass sie sich an der Wassertemperatur orientieren, wenn sich in die Sportkleidung gezwängt wird. Bei strahlendem Sonnenschein und einenm lauen Lüftchen im Longjohn vor sich hin gammeln? Oder den Trocki von innen mit den eigenen Ausdünstungen füllen? So stelle ich mir das auch nicht vor. Vor alledem: Ich habe ja eh nicht vor schwimmen zu gehen!

Und so ist es ja auch. In meiner Paddlerkarriere bin ich beim Strecke machen nur ein einziges Mal in den Bach gegangen und das beim flapsigen Einsteigen im Hochsommer. Warum sollte ich denn jetzt bei einer fixen Trainingsrunde im Zweier (in Vorbereitung für die kommende Nikolausregatta) mich der Wassertemperatur anziehen? Dann könnte ich gar nicht mehr schnell paddeln! Gerade wenn ich dieses Tipps des britischen Bloggers von Unsponsored.co.uk berücksichtige:

1. A good dry top/trouser combo or dry suit. […]

2. Solid footwear. […]

3. Good socks. […]

4. Base layers. […]

6. Pogies or gloves. […]

7. A good set of emergency kit in a dry bag is always a good idea but is even more important when it is cold. […]

8. Warm kit to get changed into after a day on the river is also a good idea. […]

9. A Buff for wearing under your helmet or even as an extra barrier to catch any drips of water that manage to find their way through your neck seal.

10. If you can, retreat to a good pub or cafe at the end of the day. A big mug of tea and some cake always goes down well.

Was ich davon mit/an hatte:

1. Den Buff (auch wenn es die No-Name Variante war) hatte ich um den Hals.

2. Die Base Layer, in Form eines kurzärmligen Craft-Shirts, und dazu ein langärmliges, dickeres No-Name Synthetic-Shirt.

(3. Handschuhe oder Paddelpfötchen hätte ich gerne mitgehabt)

was hatte ich sonst an?

4. Robuste Jogginghose aus so einem dicken und warmen Syntheticmaterial.

5. Einfache Neoschlappen ohne Socken.

6. Eine unglaublich gut aussehende pinke Bommelmütze.

Und ich denke, dass hat seine Berechtigung. Gut ich hätte noch an meine Wechselsachen denken sollen, da eine Kenterung doch immer eintreten kann. Jedoch bemisst sich das Maß der Sicherheitsausrüstung und damit auch der Bekleidung – Unterkühlung ist ja die größte Gefahr des Paddlers und somit ist Kleidung aus meiner Sicht immer auch Sicherheitsausrüstung – an der anzunehmenden Wahrscheinlichkeit eines Zwischenfalls und dem möglichem Ausmaß.

Als Beispiele:

– Wenn ich im Hochsommer mit meinem Renn-C1 mich ein paar Meter vom Steg entferne, so ist die Wahrscheinlichkeit eines Zwischenfalls – vulgo: In den Bach gehen – sehr hoch. Die Gefahr, dass dabei etwas ernsthaftes passiert – Unterkühlung, Bewusstlosigkeit, Kernschelze usw.

– Wenn ich im Winter eine kleine Ausfahrt auf einem mir unbekanntem Kleinfluss mache ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich verunfalle relativ gering, da ich ein routiniertes Paddler bin und auch weiß was ich kann und ebenso weiß, was ich nicht kann. Was aber wäre, wenn etwas passieren würde, abseits der Straße und bei niedrigen Wind- und Wassertemperaturen, möchte man sich kaum ausmalen.

Heemannsches Gefahrenmodell

Somit denke ich, dass es keine wirklich allgemeingültigen Sicherheits-/Bekleidungsempfehlungen für Jahreszeiten geben kann, wenn es um den Kanusport geht. Alles was über: „Nimm Wechselsachen mit“ und „Erste-Hilfe und Schwimmweste wäre auch nicht schlecht“ hängt von der Situation und deren Einschätzung anhand des hiermit patentierten Heemannschen-Paddelgefahren-Einschätzungsgraphen ab.

„Das haben wir sonst auch immer so gemacht!“

Denn gerade in der Routine und der Argumentation: „Das haben wir sonst auch immer so gemacht!“ Liegt der Hund/Paddler begraben. Der Ansatz bei der letzten Kleinflussfahrt einen langen Neo anzuziehen war ein Bruch mit der Gewohnheit auf Wanderfahrten eben Sportkleidung wie beim Training vor dem Anleger anzulegen. Man mag zwar sagen, dass ich overdressed war, jedoch fühlte ich mich wohl bei dem Gedanken, dass mich soweit nichts überraschen kann und ich auch Teilnehmern helfen kann ohne mich selbst in Gefahr zu bringen.

Bei den kommenden Touren werde ich diese Einschätzung der Gefahren so wieder vornehmen und auch dann hier veröffentlichen. Gerade zu dem hier professionell entwickeltem Modell würde mich eure Meinung hier oder bei FB interessieren.