Der erste längere Paddelurlaub dieses Jahr und das erste Mal zur Jugendwildwasserwoche des DKV – höchste Motivation also. Als erstes wurde das Material kontrolliert. Alles dabei, außer Auftriebskörper. Aber sowas lässt sich ja immer irgendwo finden und so hatte der Saarländer unter den Bremern einen für mich übrig. Alles gecheckt ging es auf zur Testfahrt, die direkt am Campingplatz stattfand. Das ganze Material wurde hoch getragen und jeder, der noch nie teilgenommen hatte, musste auf 200 Metern zeigen was er kann, um daraufhin in eine Gruppe eingeteilt zu werden. Da sich wie immer niemand finden ließ, der anfangen wollte, habe ich einfach mein Boot und mein Paddel geschnappt, mein Boot aufs Wasser geworfen und bin runter. Unten angekommen hieß es ich solle doch bitte nochmal fahren, man hätte noch nicht zugesehen. Zu einem zweiten Versuch kam es nicht, da ein Gewitter über uns zuzog.

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Mein Glück als Teilnehmer: Ich kannte zumindest einen Fahrtenleiter und ein anderer hatte das Video gesehen, in dem ich rolle. Sie legten ein Wort  für mich ein und so kam ich nicht in die Anfängergruppe, sondern zu einer mit mittlerem Leistungsstand. Und es hat genau gepasst. Ich habe mich pudelwohl gefühlt am Ende der Gruppe. Wie eine Entenmama, die die Kinder aus dem Kehrwasser scheucht. Am ersten Tag wurde also die einfache Strecke gepaddelt. In dem kleinen Böötchen natürlich etwas mehr Paddelschläge, als in den Booten meiner Leidensgenossen, aber ein Heidenspaß! Das erste mal rollen war auch direkt erledigt. Und am Ende der Strecke gab’s noch Wurfsack- und Springerrettungsübungen. Alles bei schönstem Sonnenschein – den ich im Laufe der Woche sehr zu schätzen lernte.

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Doch selbst vom schlechten Wetter ließen wir uns nicht aus der Ruhe bringen – zumindest nicht abseits des Wassers. Nachdem ich mich in der ersten Nacht in dem kleinen Zelt mit meiner Schwester halb zerquetscht hatte, bin ich zu Hauke und Martin in das Chalais gezogen. Die Herren nächtigten auf ihren Feldbetten und ich wurde kurzerhand in die Abstellkammer gelegt, was wesentlich bequemer war und mich quasi zu Harry Potter machte. In dem großen Zelt und mit unserem Tarp an dem die Speckflagge wehte, ließ sich der Regen ziemlich gut aushalten. Was nicht nur uns auffiel, sondern allen umliegenden Zeltbewohnern auch. So wurde unser Vorgarten schnell zum Sammelplatz und das Chalais zum allgemeinen Treffpunkt.

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Natürlich wird man als Teilnehmer des öfteren von den Übungsleitern in die Pflicht genommen: so durfte ich Hemden flicken. Wenn man dann so auf die eigenen Finger schaut, lassen sich die Paddelpfoten nicht mehr leugnen. Dass sich diese trotz des Regens bilden ist doch ein Lichtblick. Denn der Regen auf dem Wasser hielt sich ja in Grenzen. Immer erst wenn die wasserdichten Klamotten aufgehängt waren zum trocknen fing es an zu tröpfeln. Bis auf einen Tag waren wir also quasi regenfrei zu Wasser unterwegs. Und den Regentag versuche ich einfach getrost zu unterdrücken. Obwohl mir mehrmals gesagt wurde, dass es einer meiner besten Fahrtage war (von der Fahrweise her), habe ich mich unwohl gefühlt und im Kehrwasser das große Heulen bekommen. Weiber eben…
Besonders spannend fand ich es, die Entenlochklamm nochmals zu befahren. Als ich diese zuerst gefahren hatte, war sie mir als pilziges, langweiliges Geblubber in Erinnerung geblieben. Daher war die Vorfreude ziemlich beschränkt. Doch dieses mal war es anders. Die ganze Schlucht schien verändert. Mehr Kurven, mehr Steilwände, mehr Möglichkeiten zum üben. Unser Übungsleiter hatte wirklich alles aus dem Fluss rausgeholt. Ich habe sogar probiert zu Kerzen, was erstaunlich viel einfacher war, als ich es mir vorgestellt hatte, jedoch nicht einfach genug um es sofort hinzubekommen. Das ist also meine neue Herausforderung.

 

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Alles in allem gehe ich mit einem wunderbaren Gefühl aus der Woche. Und nächstes Jahr bin ich bestimmt wieder dabei. Wann wird man schon bekocht wenn man vom Bach kommt? Gutes Essen, tolle Leute, schnafte Musik (wenn man auf die Wiederholung von Helge Schneider in Dauerschleife steht) und mit dem schnellfließenden Wasser freundet man sich auch an. Urlaub wie im Paddel-Bilderbuch!