Sau die gute Idee! Hauke wohnt (sehr zu seinem Leidwesen) in der Nähe von Duisburg, ich wohne in Mainz, die Städte sind verbunden durch einen Fluss: Lass uns das mal paddeln! Gesagt, geplant – ich war leider bei der Streckenplanung nicht anwesend. Von vier sprang einer ab und so ging es zu dritt weiter. Als ich las, dass wir am ersten Tag ca. 93, am zweiten ca. 96 und an Tag drei und vier 53 und 36 Kilometer machen sollten, konnte ich nur eine Augenbraue in Ungläubigkeit hochziehen. Fast 200 km. In zwei Tagen. Jungs, ich weiß ja ihr seid stark und der Fluss fließt ganz gut, aber das ist doch übertrieben. „Ach was, eine Nacht schlafen wir in Valendar, eine Nacht bei deiner Oma, das wird zwar eine Herausvorderung, aber am Ende können wir sagen, wir haben es geschafft.“

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Pre-Tour: Montag Nachmittags kommt Hauke in Mainz an mit zwei Booten auf dem Dach: Ein Zweier und sein Einer. Ich hatte die lange Strecke partout nicht allein paddeln wollen. Man kennt ja so ungefähr seine Grenzen. Bei der Hitze war nach der Autofahrt erstmal Duschen angesagt. Danach ging es in die Stadt zur örtlichen Brauerei. Hauke hatte einen Jugendfreund informiert, der uns zusammen mit seinen Mitbewohnern Gesellschaft leistete. Ein schöner Abend mit leckerem Bier, dass uns am nächsten Morgen nur langsam erwachen ließ.

Einkaufen, Boote vom Dach, allen Kram verstauen, den hässlichsten Sonnenhut aller Zeiten (dhSaZ) auf den Kopf und ab ins Boot. Einstieg bei Rheinkilometer 500. Die ersten vier Kilometer zogen sich wie Kaugummi. Wenn das jetzt den ganzen Tag so weiter geht, stürze ich mich in die Fluten. Doch dann kam nach einigen Flusswindungen das Mittelrheintal in Sicht. Malerische Burgen, die sich an die Weinhänge klammern, Inseln in der Flussmitte, sagenumwogene Untiefen, Strände, kleine Orte wie Lorch („Das heißt jetzt Lurch. Das ist viel besser, weil es lustiger ist“) und Kaub, wo Blücher in einer nächtlichen Aktion seine Truppen über eine Brücke aus Schwimm-Pontons über den Rhein schickte, um Napoleon aus dem Land zu jagen und natürlich die wohl bekannteste Stelle: Die Loreley!

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Kaum verließen wir das enge Tal, wurde der Fluss breiter und langsamer. Die letzten Kilometer bis Koblenz zogen sich nahezu unerträglich. Doch als wir endlich ankamen, standen Cola und Eis schon parat! Was für ein Service bei dieser Hitze. Völlig geschlaucht zu Abend gegessen, die Blasen an den Händen aufgestochen und ab ins Bettchen. Während Martin und ich uns je eins von den vier örtlichen Sofas schnappten, nächtigte Hauke, wie die Prinzessin auf der Erbse, auf allen unserer Isomatten.

 

Der frühe Vogel fängt ja bekanntlich den Wurm, aber wir sind weder Vögel, noch essen wir gerne Würmer, also ging es um 9:00 Uhr gemütlich auf’s Wasser. Der Tag war noch heißer als die beiden vorherigen. Zu meinem Glück kam dhSaZ seiner Aufgabe gut nach: Kopf und Nacken waren geschützt. Die beiden Jungs banden sich ihre Shirts als fesche „Urban-Turbans“ um den Kopf um sich vor der Sonne zu schützen. Zeitweise wurde auch ein Regenschirm in die Schwimmweste gesteckt und als Sonnenschirm umfunktioniert. Statt der kalkulierten 96 km wurden es 99, da das Haus meiner Oma etwas hinter Köln liegt. Die Pausen wurden an diesem Tag geschickter gelegt. Nach 30 und nach weiteren 36 Kilometern. Die zweite Pause musste natürlich am Rheinkilometer 666 stattfinden. Wenn man schon daran vorbei fährt… dort gab es Eis und Bier und etwas Bewegung für die Beine. Zur Feierabendzeit kamen wir Köln immer näher. Unzählige Paddler aus verschiedenen Vereinen waren auf dem Wasser, die Sonne ging hinter dem Dom unter und die Temperaturen der Mittagshitze verzogen sich langsam. An unserem Ziel bekamen wir Hilfe aus dem ansässigen Verein, dem KKM, um unsere Boote durch das Haus meiner Oma in ihren Garten zu tragen.

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Meine Oma hatte das Abendessen schon fertig und kam uns entgegen, als wir das Wasser verließen. Wir entschieden uns, ihre Gastfreundschaft zu nutzen und den Donnerstag in Köln zu verbringen und Freitags bis Düsseldorf zu fahren und von dort aus umzusetzen. Nach einem Tag Shopping, Kultur und Hitze in der Kölner Innenstadt und Köln-Ehrenfeld war es nur gut sich abzukühlen. Mit Schwimmwesten und Badesachen liefen wir das Ufer hoch und trieben bis zu unserem gestrigen Ausstieg. Beim zweiten Mal kam die Wasserschutzpolizei vorbei, um uns zu fragen, ob alles okay sei (sehr verantwortungsvoll!). Nachdem wir ihnen erklärt hatten, dass wir 200 Meter weiter wieder aussteigen wollten und sie unsere Westen gesehen hatten, war ihnen schnell klar, dass wir doch zumindest so ungefähr wissen was wir tun und sie ließen uns weiter planschen. Abends, nachdem wir für meine Oma gekocht hatten, kam uns die spontane Idee, jetzt zurück zu fahren, damit wir weniger Stress beim Umsetzen und Heimkehren haben. Das allerdings artete in ein absolutes Organisations-Chaos aus. Ich verlor die Nerven, was ja nichts neues ist, die freundlichen Bahnmitarbeiter halfen uns, doch noch einen Zug nach Mainz zu bekommen und Dank der Verspätung gab es sogar noch Geld zurück.

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Rückblickend würde ich die Tour nocheinmal fahren. Allerdings die ersten zwei Etappen zu drei machen und dann mein eigenes Boot fahren. Es macht mich doch sehr nervös, nicht die Kontrolle zu haben. Eine „Das klappt schon irgendwie“-Einstellung macht mich narrisch!